Warum feiern wir Karneval und Fasching? Der historische Ursprung
Karneval und Fasching vereinen zwei Jahrhunderte alte Wurzeln: die heidnische Austreibung des Winters und die christliche Vorbereitung auf die Fastenzeit. Bevor am Aschermittwoch das strenge 40-tägige Fasten begann, mussten alle leicht verderblichen Lebensmittel wie Fleisch, Schmalz, Eier und Milch restlos aufgebraucht werden. Daraus entwickelten sich ausgiebige Schlemmerfeste.
Gleichzeitig bot die Narrenzeit eine Ventilfunktion: Im Schutze von Masken und Verkleidungen durfte die Bevölkerung ungestraft die weltliche und kirchliche Obrigkeit verspotten. Die Umkehrung der gesellschaftlichen Rollen (der Narr wird König) ist bis heute der Kern von Büttenreden und politisch motivierten Motivwagen.
Karneval, Fasching oder Fastnacht: Woher stammen die Namen?
Die unterschiedlichen Bezeichnungen im deutschsprachigen Raum gehen auf drei sprachliche Ursprünge zurück:
- Karneval (Rheinland & Norddeutschland): Leitet sich vom lateinischen „carne vale“ ab, was wörtlich übersetzt „Fleisch, lebe wohl!“ bedeutet.
- Fasching (Österreich & Bayern): Geht auf das mittelhochdeutsche Wort „vast-schanc“ zurück – den letzten Ausschank vor der Fastenzeit.
- Fastnacht (Südwesten & Hessen): Bezeichnete ursprünglich den Vorabend bzw. die Nacht vor dem Beginn des Fastens.
Die mathematische Koppelung an Ostern: Warum wechseln die Termine jedes Jahr?
Während die Sessionseröffnung stets fest am 11. November um 11:11 Uhr begangen wird, ist der Straßenkarneval im Frühjahr ein bewegliches Ereignis. Der Grund: Das Kirchenjahr orientiert sich am Frühlingsvollmond. Der Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Zählt man von Ostern exakt 40 Fastentage zurück (wobei die sechs Sonntage als Auferstehungstage nicht mitgezählt werden), landet man rechnerisch genau 46 Tage vor dem Ostersonntag beim Aschermittwoch. Da Ostern zwischen dem 22. März und dem 25. April schwankt, kann der Rosenmontag zwischen dem 2. Februar und dem 8. März liegen.
Vier Regionen, vier Traditionen: Kultur und Dialekt im DACH-Raum
Rheinischer Karneval
Hochburgen sind Köln, Düsseldorf und Mainz. In Köln ruft man „Alaaf“, in Düsseldorf und Mainz „Helau“. Höhepunkte sind die Weiberfastnacht mit Rathaus-Sturm und die riesigen Rosenmontagszüge.
Österreichischer Fasching
Geprägt von traditionsreichen Bällen, Umzügen und dem Kärntner Ruf „Lei-Lei“ (Villacher Fasching). Kulinarischer Mittelpunkt der gesamten Zeit ist der traditionelle Marillen-Faschingskrapfen.
Schwäbisch-Alemannische Fastnacht
Im Südwesten Deutschlands und in Vorarlberg dominieren geschnitzte Holzmasken (Larven) und kunstvolle Hästräger. Der Auftakt erfolgt am Schmotzigen Dunnschdig mit dem Ruf „Narri-Narro!“.
Basler Fasnacht (CH)
UNESCO-Weltkulturerbe mit einer Besonderheit: Sie startet erst am Montag nach Aschermittwoch um Punkt 04:00 Uhr morgens im stockdunklen Basel mit dem „Morgestraich“, Trommeln und handgemalten Laternen.
Nach Aschermittwoch: Wie geht es nach dem Karneval im Kalender weiter?
Mit dem Aschermittwoch endet das bunte Treiben schlagartig: Das Nubbelverbrennen im Rheinland und das Geldbeutelwaschen markieren den Übergang in die Fastenzeit. Ab jetzt zählen Gläubige und Urlaubsplaner die Tage bis zum nächsten großen Frühlingsmeilenstein herunter.
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